Vorbereitung auf Dolmetscheinsätze

 

GebärdensprachdolmetscherInnen kommen in zahlreichen Situationen zum Einsatz: angefangen bei Einsätzen in betrieblichen Zusammenhängen über politische Veranstaltungen, Arztbesuche, bei der Polizei, bei Gericht, kulturellen Veranstaltungen bis hin zu Trauungen usw. 

Um Inhalte richtig zu verstehen, sind sie deshalb auf Vorbereitungsunterlagen angewiesen. Hierzu zählen z. B. Unterlagen zur Durchführung von Kursen, Rednerskripte, Organigramme, Namenslisten usw. Das Studium dieser Unterlagen ist erforderlich, um

 

  • Aussagen zu verstehen und adäquat dolmetschen zu können

  • Kontexte und Hintergründe zu kennen und somit Äußerungen sowie Interna einordnen zu können

  • sich entsprechendes Fachwissen und die damit verbundenen Termini anzueignen

Hatten DolmetscherInnen die Möglichkeit einer fundierten Vorbereitung, werden damit nicht nur die Grundlagen für eine sehr gute Qualität der Verdolmetschung geschaffen, sondern auch die Arbeitsbedingungen der DolmetscherInnen positiv beeinflusst.

 

 

Checkliste zur Planung einer Veranstaltung mit Dolmetschereinsatz

 

Sie wollen eine Veranstaltung durchführen, an welcher sowohl hörende als auch gehörlose Personen teilnehmen werden? 
Dann denken Sie bitte an folgende organisatorische Details:

 

  • Welche Veranstaltungsdauer ist geplant? Wie viele Dolmetscher werden benötigt? 

  • Bitte planen Sie Pausenzeiten für die Dolmetscher/innen ein und haben Sie dafür Verständnis, dass die sich die DolmetscherInnen in den Pausen zur Erholung zurückziehen und in dieser Zeit nicht für Dolmetschleistungen zur Verfügung stehen.  

  • Gibt es ein Veranstaltungsprogramm? Sind Änderungen bekannt?

  • Wird es Arbeitsgruppen geben? Bitte bedenken Sie, dass dann mehrere Teams zum Einsatz kommen.

  • Werden Referate gehalten? Bitte versuchen Sie, Skripte der Redner zu bekommen und leiten Sie diese an die Dolmetscher/innen weiter.

  • Werden Medien zum Einsatz kommen (Powerpoint-Präsentation, Videoprojektion o.ä.)? Bitte lassen Sie die entsprechenden Materialien den DolmetscherInnen zur Vorbereitung  zukommen.

  • Lassen Sie in Ihre Veranstaltungsorganisation Überlegungen einfließen zum Standort und Beleuchtung der DolmetscherInnen, zu den akustischen Verhältnissen und zur vorhandenen Technik (Mikrofonanlagen, Mikroports, Videoanlage...). Mikrofone zur Verdolmetschung in die Lautsprache müssen zur Verfügung stehen .
    Denken Sie daran, dass GebärdensprachdolmetscherInnen immer (auch bei verdunkeltem Raum während Filmeinspielungen ) sichtbar sein müssen. Bitte planen Sie gegebenenfalls ein Podest ein (Dolmetschen auf Stühlen oder Tischen birgt eine hohe Unfallgefahr!

  • Unterrichten Sie die DolmetscherInnen unbedingt über den Einsatz kultureller Programmteile, wie Rezitationen oder musikalische Einlagen. Dafür sind Vorbereitungsmaterialien unabdingbar.

  • Innerhalb Ihrer Veranstaltung sind Ton- und/oder Bildaufnahmen geplant? Bitte sprechen Sie dies mit den zum Einsatz kommenden DolmetscherInnen ab und holen Sie sich deren Einverständnis ein. In der Regel wird sich dies auch auf eine Erhöhung des Honorars auswirken.

Kommunikation über Dritte - Kommunikation mit Hilfe eines Dolmetschers/einer Dolmetscherin

 

Wenn Sie mit Hilfe eines Dolmetschers/einer Dolmetscherin kommunizieren wollen oder einen Vortrag planen, der in eine andere Sprache gedolmetscht werden soll, dann beherzigen Sie folgendes:

 

  • Kommunizieren Sie direkt! Sprechen Sie Ihre/n Gesprächspartner/in an und halten Sie mit ihr Blickkontakt. Vermeiden Sie die Nutzung der dritten Person: "Sagen Sie ihr/ihm bitte, dass..."

  • Innerhalb des Dolmetschprozesses haben Dolmetscher/innen eine genaue Aufgabe und somit eine klar definierte Rolle. Bitte sprechen Sie sie daher während des Dolmetschens nicht persönlich an oder fragen Sie sie nach ihrer Meinung!

  • Wenn Sie sich mittels eines Dolmetschers/einer Dolmetscherin unterhalten oder Ihr Referat gedolmetscht wird, machen Sie sich keine Sorgen. Sie müssen Ihren gewohnten Stil nicht aufgeben. Sie können sich sicher sein, dass der/die Dolmetscher/in Ihnen signalisiert, falls Sie zu langsam oder zu schnell gesprochen haben oder es Verständnisprobleme gegeben hat.

  • Für das Halten von Referaten oder die Darbietung von Präsentationen hier noch ein paar besondere Tipps:

! Lassen Sie dem/der Dolmetscher/in rechtzeitig (ca. 1-2 Wochen vorher) ihr Skript zukommen!
! Informieren Sie den/die Dolmetscher/in über den Einsatz von Medien (Handzettel, OH-Projektor, Power Point, Video).
! Sollte Ihr Vortrag von längerer Dauer sein, planen Sie bitte schon während der Konzeption kleine Erholungspausen ein.
! Für DolmetscherInnen sind die Vorträge am angenehmsten, welche frei und in normalem Tempo gehalten werden. Werden Vorträge abgelesen, so wirkt sich dies auf die Melodie, den Rhythmus und nicht zuletzt auf das Gesamtverständnis aus.
! Nehmen Sie nicht all zu viel Rücksicht auf die DolmetscherIn! Sie können davon ausgehen, dass professionell tätige DolmetscherInnen sich bei Dolmetschproblemen umgehend an Sie wenden.

 

Die Voraussetzungen für einen gelungenen Dolmetschereinsatz bei Veranstaltungen: 

  • Planen Sie Pausen ein (alle 45 min. eine  fünfminütige Pause), Pausen während der Dolmetschtätigkeit tragen zur Absicherung der Dolmetschqualität bei.

  • Lassen Sie uns frühzeitig, mind. eine Woche vorher, Vorbereitungsmaterialien zukommen (Veranstaltungspläne, Tagesordnungen, Skripte...)
    je besser sich die Dolmetscherinnen vorbereiten können, desto flüssiger wird die Verdolmetschung!

Sie sind gehörlos und setzen eine/n Dolmetscher/in ein...

Sie sind hörend und setzen eine/n Dolmetscher/in ein...

 

  • wenn Sie einen Vortrag halten: bitte lassen Sie uns 1-2 Wochen vorher Ihr Skript auf Video zukommen
     

  • Es ist wichtig, dass das Publikum die Stimmen der DolmetscherInnen gut hören kann. Bitte sorgen Sie, falls erforderlich, für eine Mikrofonanlage.

 

  • wenn Sie einen Vortrag halten: bitte lassen Sie uns 1-2 Wochen vorher Ihr Skript zukommen
     

  • Es ist wichtig, dass das Publikum immer gute Sicht auf die Dolmetscher hat. Bitte sorgen Sie für einen geeigneten Platz für die DolmetscherInnen, falls erforderlich mit Beleuchtung und Podest.

Gerne können Sie uns auch bei der Planung von Tagungen und anderen größeren Veranstaltungen mit der Organisation von Dolmetscheinsätzen beauftragen.

 

Arbeiten im Team/Doppelbesetzung

 

Beim Dolmetschen handelt es sich um einen hochkomplexen Prozess, der hohe fachliche und dolmetschtechnische Kompetenzen voraussetzt. Gleichzeitig sind Dolmetscher verpflichtet, ihre Arbeit gemäß ihrer Berufs- und Ehrenordnung gewissenhaft und bei höchstmöglicher Qualität auszuführen.
Folgende Richtwerte haben sich in der Arbeit professionell tätiger GebärdensprachdolmetscherInnen bewährt:

 

  • Dolmetscheinsätze von bis zu einer Stunde können von Gebärdensprachdolmetscher/innen bei angemessener Pausenregelung allein durchgeführt werden.

  • Dometscheinsätze mit einer Dauer über einer Stunde werden in der Regel nur in Doppelbesetzung, also in Zusammenarbeit mit einer Kollegin/einem Kollegen, bei angemessener Pausenregelung durchgeführt.

 

Simultanes Dolmetschen erfordert durchgehend höchste Konzentration

 

Anhand empirischer Studien ist nachgewiesen worden, dass die Qualität einer simultanen Verdolmetschung nach ca. 20-30 Minuten (!) rapide abnimmt. Hinzu kommt, dass es sich beim Gebärdensprachdolmetschen um eine körperlich belastende Tätigkeit handelt, die arbeitsmedizinisch als „einseitig wiederholte Arbeit" eingestuft wird. Deshalb sollte eine Dolmetscherin/ein Dolmetscher alleine nicht länger als maximal eine Stunde ununterbrochen dolmetschen und insgesamt täglich nicht mehr als  vier Stunden tätig sein. Aus diesen Gründen ist zur Absicherung der Dolmetschqualität und der Arbeitsgesundheit bei längeren Dolmetscheinsätzen ein Dolmetschen in Doppelbesetzung erforderlich.

 

Pausen während der Dolmetschtätigkeit tragen zur Absicherung der Dolmetschqualität bei
 

Bei länger andauernden Veranstaltungen sollten Pausen eingelegt werden. Gebärdensprachdolmetscher/innen sind verpflichtet, im Rahmen der Qualitätssicherung der Verdolmetschung auf eine angemessene Pausenregelung zu achten.

 

(Dieses Informationspapier basiert auf einem Beschluss des BGBB e.V. vom 17.04.2001. Mitglieder des BGBB e.V. arbeiten auf dieser Grundlage)